Konzertkritik Himmelfahrtsoratorium und Vesperae solennes

Konzertkritik aus der Süddeutschen Zeitung (Lokalteil Fürstenfeldbruck) vom 6.7.1999

Mozart beim BachChor in den besten Händen

Guglhör leitet die ,,Vesperae solennes" in der Klosterkirche


F ü r s t e n f e l d b r u c k - Festliches in mehrfacher Form und dabei eher selten aufgeführte Werke Mozarts und Bachs konnte man beim diesjährigen Sommerkonzert vom Brucker BachChor und Bach-Orchester in der K1osterkirche Fuuml;rstenfeld erleben. Da war zum einen das ,,Himmelfahrts-Oratorium" Johann Sebastian Bachs, dessen Musik zu großen Teilen aus einer Kantate zum Festakt der Einweihung der umgebauten Thomas-Schule 1732 stammt, zum anderen Mozarts ,,Vesperae solennes de confessore" aus dem Jahre 1780, die schon im Titel als große feierliche Abendmesse tituliert ist. Begonnen hatte der Nachmittag in Fürstenfeld freilich mit einer kleinen, nur Kyrie und Gloria umfassenden lutherischen Messe von Bach, der Missa G-Dur BWV 236. Schon hier wurde deutlich, wie heikel die Klosterakustik für komplexe Bachsche Polyphonie ist, aber auch, dass die Sopranistin Susanne Bernhard und die Altistin Melanie Koch ein stimmlich perfekt harmonierendes Duo sind und der BachChor mit den Schwierigkeiten der Musik seines Namenspatrons keinerlei Probleme hat. Besonders gut hörbar wurde das am großen abschließenden Chorsatz dieser Messe, der trotz aller akustischen Klippen klar durchgestaltet war.

Trompetenglanz

Hell strahlend vor blendendem Trompetenglanz (u.a. Maja Stucky und Kilian Dicke-Stucky) und damit den Rahmenteilen der ersten Kantate von Bachs ,,Weihnachtsoratorium" nicht unähnlich, begann und endete das ,,Himmelfahrtsoratorium" (BWV 11). Mit Hubert Nettinger war hier ein klar und musikalisch artikulierender Evangelisten-Tenor zu hören und mit Bernhard Spingler ein kaum weniger überzeugender heller Bass. Nur den Frauen waren allerdings in jeweils einer Arie breiterer musikalischer Raum gewährt. Melanie Koch sang ihre Alt-Arie ausdrucksstark und mit hervorragendem Klangsinn, während Susanne Bernhard in ihrer von Flöte, Oboe und Bratschen(!) begleiteten Arie doch ein wenig mit der verschwimmenden Akustik und einer gerade unter solchen Umständen absolut nötigen perfekten Intonation zu kämpfen hatte.

Musikdramatiker Mozart

Dafür gelang ihr das große Solo mit ,,Laudate Dominum" der Mozart-Vesper mit herrlich strömender, warmer, leicht abgedunkelter Stimme ausgezeichnet, wie überhaupt dieses Werk zum Höhepunkt des Konzerts wurde. Denn Gerd Guglhör betonte den fließenden Charakter der fast immer bewegten Stücke (vom ruhig ausschwingenden ,,Laudate Dominum" einmal abgesehen), die im Detail oft so reich wie das ,,Requiem" klingen, manchmal aber auch (gerade was den Einsatz des Solisten-Quartetts angeht) den Musikdramatiker Mozart durchscheinen lassen, während ein Satz wie das ,,Laudate Pueri" von der Auseinandersetzung Mozarts mit dem Barock und vor allem dem Werk Bachs lebt. Guglhör setzte auf lebhafte Tempi und gliederte klar, vernachlässigte aber keineswegs die Arbeit am Detail und ließ auch die Ruhe des ,,Laudate Dominum" weit ausschwingen. Der BachChor sang, als wäre die Vesper ein so häufig gespieltes Werk wie das Requiem oder die c-moll-Messe; und last but not least das BachOrchester präsentierte nicht nur in der Einleitung zum ,,Laudate Dominum" einen runden, differenzierten Mozart-Ton, sondern war auch ansonsten ,,Begleitung" auf hohem Niveau.


Klaus Kalchschmid