Kritik Matthäuspassion 2008

Süddeutsche Zeitung (Fürstenfeldbrucker Teil) vom 25.03.2008

Unter einem dramatischen Spannungsbogen

BachChor und –Orchester interpretieren die „Matthäus-Passion“ unter Gerd Guglhör voller Frische und Vitalität

Fürstenfeldbruck – Eine Aufführung von Bachs „Matthäus-Passion“ am Karfreitag entspricht nicht nur ihrer ursprünglichen Bestimmung, sondern führt auch in beeindruckender Weise auf Ostern hin. Im voll besetzten Brucker Stadtsaal stellten sich BachChor und BachOrchester Fürstenfeldbruck unter Leitung von Gerd Guglhör zum wiederholten Mal dieser großen musikalischen Herausforderung.
Als Vokalsolisten waren Hubert Nettinger (Evangelist), Benedikt Göbel (Jesus), Ulrike Hofbauer (Sopran), Stephanie Hampl (Alt), Robert Sellier (Tenor) und Thomas Hamberger (Bass) zu hören. Die Aufführung strahlte ein hohes Maß an Frische und Vitalität aus. Der Grund dafür dürfte gewesen sein, dass der Dirigent einen übergreifenden dramatischen Spannungsbogen entwarf, bei dem er keine Beständigkeit in der Interpretation der Formtypen aufkommen ließ. Bei den Chorälen gab es denn tatsächlich solche, die als meditative Spiegelung des Geschehens angelegt waren, beispielsweise „Befiehl du deine Wege“. Andere, wie „Wer hat dich so geschlagen“, wirkten in ihrer Phrasierung und der herausgehobenen Wortbedeutung „geschlagen“ eher wie eine monumentale Bestätigung des geschilderten Skandals.

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Kritik Elias 2008

Süddeutsche Zeitung, Fürstenfeldbrucker Teil, 16.07.2008


Großer Spannungsbogen

„Elias“ unter Gerd Guglhör in der Klosterkirche

Seit der Uraufführung des Oratoriums Elias von Mendelssohn Bartholdy 1845 zieht sich die hohe Akzeptanz des Werks wie ein roter Faden durch die Rezeptionsgeschichte. Auch wenn dieses Oratorium sicher zu den bedeutendsten des 19. Jahrhunderts gehört, ist eine überzeugende klangliche Realisierung nicht selbstverständlich. Am Sonntag brachten Bach-Chor und Bach-Orchester Fürstenfeldbruck unter der Leitung von Gerd Guglhör den „Elias“ in der ausverkauften Klosterkirche zur Aufführung. Als Solisten waren Susanne Bernhard (Sopran), Susanne Schaeffer (Alt), Felix Rienth (Tenor) und Jörg Sabrowski (Bass) zu hören.

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Kritik Weihnachtsoratorium 2008

Süddeutsche Zeitung, Fürstenfeldbrucker Teil, 16.12.2008


Beeindruckende Präsenz

Alle sechs Kantaten mit dem Bach-Chor und dem Bach-Orchester unter Gerd Guglhör


Zu den großen Festen würdigen Bach-Chor und Bach-Orchester Fürstenfeldbruck ihren Namensgeber: So stand am Samstag wieder das Weihnachtsoratorium des Thomaskantors auf dem Programm im Stadtsaal, diesmal mit allen sechs Kantaten an einem Tag.
Die beiden Ensembles wurden dabei durch eine Reihe von Instrumentalisten aus der Alte-Musik-Szene verstärkt. Als Vokalsolisten wirkten unter der Gesamtleitung von Gerd Guglhör Katja Stuber (Sopran), Anna Haase (Alt), Robert Sellier (Tenor, Evangelist) und Thomas Gropper (Bass) mit. Zu hören war eine von aller Patina befreite Aufführung, die dennoch nicht asketisch-puristisch wirkte.
Den Eingangschor „Jauchzet, frohlocket“ nahm der Dirigent in sehr raschem, federnd schwingendem Tempo. Obwohl der Chor mit etwa einhundert Sängerinnen und Sängern sehr groß besetzt war, entstand auch im Forte nie eine Massierung des Klangs, blieb die Deklamation des Textes prägnant, und der Gesamteindruck auch im Verhältnis zum Orchester kernig-stimmig.
Die Frage des Tempos war jedoch eine diese Aufführung bestimmende: Die akustischen Verhältnisse im Stadtsaal lassen ein sehr rasches Tempo zu, was im Kirchenraum unmöglich wäre. Doch nicht jedes technisch mögliche Tempo korrespondiert mit der technischen Anlage. So gestaltete Guglhör die Choräle zwar kraftvoll, aber zugleich als ausgleichende Ruhepunkte, forcierte jedoch in mancher Soloarie (zum Beispiel in „Frohe Hirten“) derart, dass ein etwas verhetzter Gestus die Folge war.

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