Kritik zur "Schöpfung" von Josef Haydn

Süddeutsche Zeitung (Fürstenfeldbrucker Teil) vom 20.11.2007

Geschlossene Interpretation der „Schöpfung“

Verschmelzung des Gesamtklangs

Haydn-Oratorium mit dem Brucker BachChor unter Gerd Guglhör im Stadtsaal


Fürstenfeldbruck – Joseph Haydns 1798 uraufgeführtes Oratorium „Die Schöpfung“ gehört zu den populärsten Werken der Gattung. Der Grund dürfte vor allem in der musikalisch abwechslungsreichen Gestaltung und der sehr einfühlsam vertonten Schilderung von Naturphänomenen liegen. Am Sonntag brachten fast hundert Sänger des Bach-Chores und das Bach-Orchester Fürstenfeldbruck unter der Leitung von Gerd Guglhör das Werk im voll besetzten Brucker Stadtsaal zur Aufführung. Als Solisten waren Priska Eser (Sopran), Jan Kobow (Tenor) und Wolf Matthias Friedrich (Bass) zu hören.
Gerd Guglhör verwirklichte hier ein interpretatorisches Ideal, das einen hohen Grad an Verschmelzung des Gesamtklangs ermöglichte, so dass einzelne Instrumente nicht zu stark exponiert wirkten. Mit der Verpflichtung von historischen Trompeten und Posaunen, aber auch mit dem Einsatz des Hammerklaviers (statt des Cembalos), dürfte er damit dem klanglichen Erscheinungsbild um 1800 relativ nahe gekommen sein.
Die Funktion des von Christian Brembeck am Hammerklavier gespielten Continuos ging zudem über eine harmonische Stütze hinaus. Der gegenüber dem Cembalo weichere Klang war durch zahlreiche Figurationen in den Rezitativen dicht mit der Gesangsstimme verwoben, wobei beide Partner in enger Abstimmung nie in ein strammes Korsett geschnürt schienen, sondern ganz frei musizieren konnten.

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Konzertkritik Verdi Requiem 2007

Süddeutsche Zeitung, Fürstenfeldbrucker Teil, vom 10.07.2007


Mitreißendes Konzert in der Klosterkirche

Weit gefächertes Ausdrucksspektrum

Verdis „Messa da Requiem“ mit dem Brucker BachChor unter Gerd Guglhör


Fürstenfeldbruck – Zum ersten Mal hatten BachChor und BachOrchester Fürstenfeldbruck unter der Leitung von Gerd Guglhör am vergangenen Sonntag Giuseppe Verdis „Messa da Requiem“ aufs Programm gesetzt – ein Werk, das nicht nur zahlenmäßig einen hohen Aufwand erfordert. Dem überaus groß besetzten Orchester muss ein stattlicher Chor gegenüberstehen, sollen die Teilungen in zwei Chöre und immer wieder mehrfach innerhalb einer Stimme adäquate klangliche Qualitäten entfalten.
Wer allerdings meint, dass damit vor allem opulente Lautstärke dominierend sein musste, wurde in dieser Interpretation in der ausverkauften Fürstenfelder Klosterkirche eines besseren belehrt. Gerade die intimen, zarten Gesten, die zahlreichen melodiösen, oft im Pianissimo gehaltenen Abschnitte arbeitete der Dirigent nuancenreich heraus. Dazu trug auch ein wunderbares Solistenquartett mit Susanne Bernhard (Sopran), Rebecca Martin (Mezzosopran), Thomas Cooley (Tenor) und Jörg Sabrowski (Bass) bei. (…)

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