Konzertkritik Poulenc "Gloria" und Gounod "Cäcilienmesse"

Süddeutsche Zeitung, 13.07.2004


Festkonzert zum 50. Geburtstag des Bach-Chors in der Klosterkirche

Stilistische und klangliche Flexibilität

Gerd Guglhör dirigiert Werke von Poulenc und Gounod/ Hervorragende Solisten

Fürstenfeldbruck – Ein halbes Jahrhundert, das ist für einen Chor eine Zeit, die von Beteiligten der Gründung noch als Brücke in die Gegenwart umspannt werden kann. Horst Stegemann, der Gründer des Bach-Chores, hat über vierzig Jahre hinweg Basisarbeit geleistet, auf der Gerd Guglhör mit erweitertem Repertoire und neuer musikalischer Zielsetzung aufbauen konnte. Beim Festkonzert am Sonntag in der voll besetzten Klosterkirche Fürstenfeld hatten auch ehemalige Chormitglieder die Möglichkeit, mitzusingen. Neben dem Fürstenfeldbrucker Bach-Orchester, das im vergangenen Jahr sein 40-jähriges Bestehen feiern konnte, waren auch die bewährten Solisten Susanne Winter (Sopran), Hubert Nettinger (Tenor) und Christian Hilz (Bass) zu hören.

Technisch anspruchsvoll

Mit Francis Poulencs 1961 uraufgeführtem „Gloria“ hatte Guglhör auch diesmal wieder ein in Bruck noch nicht gehörtes Werk aufs Programm gesetzt. Das technisch sehr anspruchsvolle, weitgehend neoklassizistische Stück besticht durch die organisch ineinander verwobenen stilistischen Elemente auf tonaler Grundlage. An Gregorianik erinnernde, vom Chor intonierte melodische Floskeln wurden im „Gratias“ von meditativ wirkenden, zart vorgetragenen Orchesterakkorden begleitet.
Ein Höhepunkt war sicher der Abschnitt „Domine Deus“, in dem der Orchestersatz stark von den tonschönen Holzbläsern dominiert war. Die homogene Pianokultur des Chores wurde klanglich überhöht von der Solo-Sopranistin, die ihre zweitaktigen Motive beglückend schön darüber setzte.
Mit diesen eher verinnerlichten Teilen in zurückhaltendem Tempo kontrastierte hervorragend das „Laudamus te“, das in raschem Tempo einen federnden, fast tänzerischen Eindruck hinterließ und als flüchtige Gestalt dahinhuschte. Einen besonderen Wert legte Poulenc auf die Textphrasierung, die er durch die rhythmische Umsetzung unterstrich. Gerd Guglhör arbeitete die Textdeklamation nicht nur, von den exakten Pausen ausgehend, genau heraus, sondern setzte einen Schwerpunkt auch auf die genuin französische Lautung der lateinischen Silben.Charles Gounods groß besetzte Cäcilienmesse op. 12 aus dem Jahr 1855 bildete den zweiten Konzertteil. Die weitgehend homophon gehaltenen Chorpassagen offenbarten einen wunderbar innerhalb der Stimmgruppen und im Gesamtchor ausbalancierten Klang, der auf die Akustik des Raumes zugeschnitten war. Dadurch beeindruckten sowohl der einschmeichelnde, fließende Klang im Sanctus, als auch der gut beherrschte opernhafte Gestus im dreifachen Forte des „Et resurrexit“. Der Schlichtheit der chorischen Teile, die von der fehlenden Laienchortradition in Frankreich herrührt, stand die Professionalität der drei Solisten gegenüber: Souverän und mit stimmlichem Glanz meisterten sie ihre Partien.
Lang anhaltender, dankbarer Beifall zum Schluss des Festkonzerts für alle Mitwirkenden, insbesondere aber auch für Horst Stegemann.

Klaus Mohr