Konzertkritik h-moll Messe

Konzertkritik aus der Süddeutschen Zeitung vom 05.12.2000 (Lokalteil Fürstenfeldbruck)


Ideale Balance zwischen Sängern und Orchester

H-moll-Messe mit Gerd Guglhör am Pult erfüllt alle Erwartungen
Begeistert gefeierter Ausklang zum Bach-Jahr in St. Magdalena

F ü r s t e n f e l d b r u c k - Die Pause in der h-moll-Messe von BachChor und -Orchester in St. Magdalena unter Leitung von Gerd Guglhör war mit Bedacht gesetzt - zwischen dem bereits 1733 komponierten Kyrie und Gloria und den übrigen, 15 Jahre später einkomponierten Teilen.
Ganz im Gegensatz zu den teils weit auseinander liegenden Entstehungsdaten der zu Grunde liegenden Musik bieten Credo, Sanctus und Agnus Dei ein nach dramaturgischen Grundsätzen gebautes musikalisches Kontrastprogramm. Und so überwältigte nicht nur der heftig aufschäumende Auferstehungs-Jubel im ,,Et resurrexit" als Höhepunkt des Credo, sondern spannungsvoll musiziert, nicht zuletzt in den Tempo-Kontrasten, waren auch die übrigen Chorsätze zwischen leiser Beschwörung und gesteigertem Ausdruck. Welche Präzision im Artikulieren selbst die Tenöre noch in exponierter Höhe aufbringen konnten, wie räumlich gestaffelt und exakt ineinander verzahnt die weit verzweigte Chor-Polyphonie klingt, das ist aber immer wieder überraschend.


Was schon bei Profi-Chören keine Selbstverständlichkeit ist, beeindruckt eben bei Laien erst recht, obwohl Motivationskraft wie Beharrlichkeit von Gerd Guglhör beim Probieren kein Geheimnis und die Erwartungshaltung des Hörers entsprechend hochgeschraubt ist. Selbst in den schnellsten Passagen hat auch das Orchester keine technischen Probleme, von der nahezu idealen Balance mit den Sängern ganz abgesehen. Beinahe bedauert man, dass die Instrumentalstimmen zwar selbständig und keineswegs nur begleitend geführt sind, aber doch auch selten eigenständig spielen dürfen.

Auch bei den Solisten gab es nach der Pause noch einmal eine Steigerung. Der Bassist Marcus Niedermeyr sang seine zweite Arte viel freier und auch im klanglichen Volumen überzeugender als die erste, in der ihm obligates Horn und Fagotte doch ein wenig die Präsenz nicht nur bei den tiefen Tönen nahmen. Nachdem er im Duett mit Siri Thornhill noch etwas zurückhaltend geklungen hatte, gestaltete auch der Tenor Andreas WeIler seine ,,Benedictus"-Arie rund und klanglich ausgeformt. Die Sopranistin hatte diesmal fast kaum solistische Aufgaben, harmonierte aber im Duettieren mit Renate Kaschmieder ausgezeichnet. Diese Altistin aber war ein Glücksfall. Sparsam und dennoch intensiv im expressiven Ausdruck, vermag diese außergewöhnlich klar timbrierte Alt-Stimme in jederLage, in jedemTonfall, mit jeder Phrase zu überzeugen. Von ihr das beinahe abschließende ,,Agnus Dei" zu hören, war wirklich ein großer Trost.

Insgesamt also ein schöner und zu Recht begeistert gefeierter Ausklang des Bach-Jahrs im Brucker Landkreis.


Klaus Kalchschmid