Konzertkritik Messias

Konzertkritik aus „La Provence“ (Frankreich) vom 15. 06. 2001


Halleluja für ein Finale

Der erste Teil des Festivals von St. Victor (Marseille) vor der Sommerpause ist in Schönheit und Grandiosität mit der Interpretation des höchst feierlichen Messias durch Bach-Chor und Orchester aus Fürstenfeldbruck (120 Ausführende), Susanne Bernhard (Sopran), Ursula Eittinger (Alt), Hubert Nettinger (Tenor) und Wolfgang Newerla (Bass) unter der Leitung von Gerd Guglhör zu Ende gegangen.

Die Wahl des Werkes ist zweifellos nicht sehr außergewöhnlich, es zieht aber immer die selben Auswirkungen nach sich, was den Glanz dieses Meisterwerks und die Emotion betrifft, die von ihm ausstrahlt.
Das war in St. Victor an zwei Tagen wirklich der Fall, und zwar in einer Form tiefen Ausdrucks, weit weg vom „integren“ Stil des Barock, aber immer noch in einem Stil, der von allen Interpreten übernommen worden ist.
Ehre zuerst den Solisten, die häufig der Schwachpunkt sind, nämlich ein nicht immer homogenes Quartett und Einzelstimmen von nur mittlerer Qualität, was auf alle Oratorien zutrifft. Schock allerdings hier mit dem Bassisten Wolfgang Newerla, eine eherne, donnernde und schneidende Stimme, jedoch von einer überraschenden Beweglichkeit, von einer perfekten Gleichheit in allen Tonlagen. Beeindruckend!
Seine Nachbarin hat nur mehr Glanz bewiesen: eine Sopranistin, Susanne Bernhard, mit einer geschmeidigen und leichten Stimme, von lächelndem und fast „naivem“ Ausdruck. Der Tenor Hubert Nettinger mit klarem und schneidendem Timbre, sehr artikuliert, und die Altistin Ursula Eittinger, die die mangelnde Weite mit sehr großer Musikalität und einem sehr „natürlichen“ Stil kompensiert hat. Alle stellten eine konstante Sensibilität unter Beweis (besonders die Lieblichkeit des erhabenen Sopran-Alt-Duos).

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